Natur als Philosophie: Resort Baumgeflüster zum World Environment Day

Natur als Philosophie: Resort Baumgeflüster zum World Environment Day

Zum World Environment Day haben wir mit Insa Otteken, Gründerin des Resort Baumgeflüster, gesprochen. Das erste High-End-Baumhausresort Deutschlands steht inmitten über 100 Jahre alter Buchen und Eichen im Ammerland und lebt eine Nachhaltigkeitsphilosophie, die weit über den üblichen Branchendiskurs hinausgeht. Ein Gespräch über behutsames Bauen, Artenvielfalt, Entschleunigung und die Frage, was die Hotellerie von der Natur lernen kann.

1. Resort Baumgeflüster wurde als erstes High-End-Baumhausresort Deutschlands mit der Überzeugung gegründet, dass Zeit in der Natur einen tiefgreifenden positiven Effekt auf Geist, Körper und Seele hat. Wie spiegelt sich diese Philosophie im täglichen Betrieb des Resorts wider?

Entscheidet sich ein Gast, unser Gast zu werden, so spiegelt sich unsere Philosophie vom ersten Kontakt an wider.

Wir setzen auf Entschleunigung und nehmen uns Zeit für jeden einzelnen Gast. Alle Gästeanfragen werden persönlich beantwortet - nichts ist anonymisiert. Unsere Gäste erhalten eine Wegbeschreibung und werden in persönlichem Ambiente begrüßt, in einem ammerländischen Heuerlingshaus. Der Weg dorthin führt an einem der schönsten "Aquädukte" aus säulenförmig wachsender Hainbuche vorbei - eventuell sogar dem schönsten in Deutschland.

Wir geben den Gästen Empfehlungen, wo und was sie unternehmen können, und betreuen sie vom ersten Augenblick an. Betritt der Gast dann den Wald und läuft auf dem Waldboden, setzt eine automatische Entschleunigung von Körper, Geist und Seele ein. Der Duft im Wald, die vielen Singvögel, das Grün der Pflanzen und der Duft des unbehandelten Lärchenholzes im Designer-Baumhaus de Luxe beruhigen ein aufgeregtes Herz - es fängt an, wissenschaftlich untermauert, langsamer zu schlagen.

Das Frühstück bereiten wir selbst zu und bringen es den Gästen in die Häuser - frisch aus dem Ofen. Wir haben viele "Wiederholungstäter", das spricht für sich. Körper, Geist und Seele schlagen im Einklang - eine kleine, heile, wohltuende Welt, in der der Mensch die Möglichkeit hat, zu sich und zur Ruhe zu finden. Wir sind dabei Ansprechpartner, wenn dies gewünscht wird.

2. Die vier Suiten stehen auf Stelzen inmitten über 100 Jahre alter Buchen und Eichen und wurden aus massivem Holz gebaut. Welche Überlegungen haben beim Bau im Vordergrund gestanden, um den Eingriff in den natürlichen Lebensraum so gering wie möglich zu halten?

Wir haben die Häuser behutsam in den Wald und in den Waldboden integriert - so behutsam, dass sie nach der Fertigstellung so aussahen, als gehörten sie dorthin. Es ist wie eine Bereicherung des Waldes, kein störendes Element. Wir haben keinen einzigen Baum gefällt, sondern versucht, die Häuser natürlich zwischen die Bäume zu bauen. Zudem wurde mit Elementen gearbeitet, die in den Waldboden gebohrt wurden, um nach eingehender Prüfung durch diverse Gutachter kein Wurzelwerk zu beschädigen. Ein herkömmliches Fundament aus Zement haben wir bewusst abgelehnt und uns für die schonendste Bauweise entschieden, die es gibt. Die Baumhäuser stehen unter dem Blattwerk, geschützt vor Unwettern, und vermitteln ein behagliches, behütetes Wohlgefühl.

3. Das Resort ist bekannt dafür, dass seltene Tiere direkt unter den Baumhäusern brüten. Wie aktiv schützt und fördert das Resort die lokale Artenvielfalt und welche Rolle spielt das für das Gästeerlebnis?

Wir füttern die Vögel, die Rehe und die anderen Tiere und bitten unsere Gäste, sich ruhig und bewusst im Wald zu bewegen.

Um die natürliche Vielfalt zu erhalten, müssen wir aufgrund der Klimaveränderungen den Wald im Sommer wässern, im Frühling düngen, und wir haben in diesem Winter erstmals 150 kleine Douglasien neu gepflanzt, von denen es heißt, dass sie wärmeunempfindlicher sind als viele andere Baumarten. Den Gästen erklären wir dies, um ein Bewusstsein für die ökologische Vielfalt zu entwickeln und unsere Abhängigkeit von der Natur sichtbar zu machen - viele wissen nicht, dass ein durchschnittlicher ausgewachsener Baum über sein Leben hinweg etwa 1.500 bis 2.500 kg CO₂ speichert.

Im Mai zeigen sich Rehe mit ihren Kitzen - wir haben oft mehrere Rehe, die sich auch tagsüber zeigen. Ornithologen sind völlig begeistert und dokumentieren ihre Entdeckungen in unseren Gästebüchern. Rehe, Eichhörnchen, Fasane, Mäuse und rund 50 verschiedene Vogelarten sind zu sehen - und ganz selten zeigt sich sogar ein Fuchs. Die Gäste staunen, fotografieren, träumen, meditieren, malen. In jedem Gast schlummert seine eigene Kreativität.

4. Was sind die drei konkreten Maßnahmen, auf die Sie im Resort in Bezug auf Nachhaltigkeit am stolzesten sind, sei es im Bereich Energie, Regionalität, Abfall oder Naturschutz?

Wir sind stolz, eine Vision, an die wir geglaubt haben und die es in dieser Form noch nicht gab, erfolgreich umgesetzt zu haben. Der Mut, das erste nachhaltige High-End-Baumhausresort Deutschlands zu bauen - entgegen vieler kritischer Stimmen - war eine besondere Herausforderung. Es ist somit pure Freude, erleben zu dürfen, was das Wohlgefühl inmitten der Natur mit den Gästen macht. Wir dürfen dies miterleben.

Unsere Gästebücher zeigen, wie die Gäste hier empfinden. Hier werden Heiratsanträge gemacht, Geburtstage gefeiert - der besondere Moment zwischen schwerpunktmäßig zwei Menschen zelebriert. Menschen, die eine persönlich schwere Zeit - sei es beruflich oder gesundheitsbedingt - durchlitten haben, tanken hier Kraft. Wir haben Allergiker, Menschen mit Höhenangst (die hier nicht einsetzt) und hochsensible Menschen. Wir bedienen eine Nische für besondere Menschen, die eine besondere Zeit leben möchten. Es gibt Menschen, die einmal im Jahr aus Dubai kommen, um Regentropfen am Fenster herunterrinnen zu sehen, Menschen, die den Vollmond und klare Sternennächte erleben möchten, oder welche, die bei einem Gewitter und Wind dies hautnah im sicheren, nach unbehandeltem Lärchenholz duftenden Baumhaus erleben möchten. Gäste, die aus 2 km Entfernung kommen, ebenso wie aus Australien oder Kanada. Der besondere Geist für die Natur inmitten der Natur eint diese Menschen. Wir sind stolz, somit auch unseren Beitrag zur Bewusstseinswerdung des behutsamen Umgangs mit der Natur leisten zu können.

Wir leben in und mit der Natur. Wir produzieren keinen Abfall, da alles in kleinen Glasbehältern serviert wird. Das Korn für unsere Brötchen wird noch frisch geschrotet, die Früchte für die Marmeladen teilweise selbst geerntet - gesünder geht es nicht. Weniger ist oft mehr - Qualität mehr als Quantität. Unsere Gäste leben hier auf rund 40 m² Wohnfläche plus Außenterrasse. Mehr Platz ist wunderbar, aber nicht notwendig für das persönliche Wohlgefühl. Der Grundstein wird durch ein unmittelbares Erleben in der Natur gelegt - durch einen Aufenthalt in unseren Baumhäusern.

Wir können der Natur etwas zurückgeben. Darauf sind wir stolz.

5. Was wünschen Sie sich von der restlichen Hotelindustrie in Bezug auf Nachhaltigkeit und welche Entwicklungen hoffen Sie in den kommenden Jahren zu sehen?

In Bezug auf Nachhaltigkeit wäre es mir ein Anliegen, den Einsatz von Plastik so weit wie möglich zu reduzieren. Die Bewusstseinswerdung des unnötigen Wasserverbrauchs in allen Belangen wäre wünschenswert - insbesondere auch vonseiten der Gäste.

Ich wünsche mir, dass das Persönliche, die Herzlichkeit und das Herzblut durch KI, Personalknappheit und zu viel Bürokratie nicht verloren gehen. Ich wünsche mir, dass der Gastgebergeist nicht mürbe wird angesichts der Erschwernisse, die es täglich zu lösen gilt. Gerade für kleine, besondere Unterkünfte verlangt es viel Idealismus und Kampfgeist, dranzubleiben - und das nicht nur finanziell, sondern auch mental.

Die Community der unabhängigen, besonderen Unterkünfte könnte sich selbst durch ein Miteinander stärken. Wie dieses Miteinander aussehen könnte, gilt es herauszuarbeiten. Wir würden uns freuen, uns mit Gleichgesinnten austauschen zu dürfen, um gemeinsam als Branche wachsen zu können.

 

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