Hotelier Edit: Marvin Kaiser, Head of Real Estate and Development, Cocoon Hotels

1. Kannst du dich und Cocoon Hotels bitte vorstellen?
Ich bin Head of Real Estate & Development bei Cocoon Hotels und verantworte unsere strategische Expansion, also alles rund um neue Standorte, Immobilienakquisition und die konzeptionelle Weiterentwicklung unserer Häuser.
Cocoon Hotels ist eine inhabergeführte Boutique-Hotelmarke mit Sitz in München. Unsere Häuser stehen für ein urbanes, designorientiertes und gleichzeitig nachhaltiges Hotelerlebnis. Wir wollen keine reinen Übernachtungsmöglichkeiten schaffen, sondern Orte mit Charakter – Rückzugsorte mitten in der Stadt. Mit starker Identität, hochwertigem Design, regionalem Bezug und einem klaren nachhaltigen Anspruch.
2. Cocoon ist in München gewachsen und hat mit der Übernahme des Boutiquehotel Stadthalle auch den Schritt nach Wien gemacht. Was macht diese Entwicklung für dich besonders spannend?
Unsere Expansion folgt keiner reinen Wachstumslogik nach dem Motto „mehr, schneller, größer“, sondern einer klaren Vision. In München haben wir gezeigt, dass wir starke innerstädtische Mikrolagen nachhaltig entwickeln und erfolgreich positionieren können.
Die Expansion nach Wien – insbesondere mit dem Boutiquehotel Stadthalle – war für uns strategisch ein sehr spannender Schritt, weil:
- Wien als Kultur- und Designstadt hervorragend zu unserer Marken-DNA passt
- das Boutiquehotel Stadthalle bereits eine ausgeprägte Nachhaltigkeits-DNA mitbringt
- wir unsere Marke damit erstmals in einen internationalen Kernmarkt tragen
Was ich besonders reizvoll finde, ist die Balance zwischen Bestand und Marke: Wie entwickelt man ein etabliertes, nachhaltiges Haus weiter, ohne seine Identität zu verlieren – und integriert gleichzeitig die Cocoon-Markenwelt? Genau diese Schnittstelle macht die Aufgabe so spannend.
3. Wenn du neue Städte oder Immobilien prüfst – worauf legst du den größten Fokus: Lage, Asset-Potenzial, Brand Fit oder Community Impact?
Wir betrachten das immer ganzheitlich. Es reicht nicht, wenn nur ein Faktor überzeugt.
Lagequalität
- Zentrale urbane Mikrolage
- Hohe Aufenthaltsqualität im Umfeld
- Gute ÖPNV-Anbindung
- Passende Zielgruppenstruktur
Asset-Potenzial
- Architektonische Substanz
- Umnutzungs- und Repositionierungspotenzial
- ESG-Optimierbarkeit
- Effiziente Flächenstruktur
Brand Fit
- Passt das Objekt zur Cocoon-DNA?
- Lässt sich eine klare Design- und Story-Integration umsetzen?
- Ist unsere Boutique-Positionierung glaubwürdig darstellbar?
Community Impact
- Integration ins Quartier
- Lokale Partnerschaften
- Mehrwert für Nachbarschaft und Stadt
Wir investieren nur dort, wo diese vier Faktoren in einem gesunden Verhältnis stehen.
4. Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil der Cocoon-Philosophie. Wie beeinflusst das konkret deine Immobilienentscheidungen – operativ und im Design?
Nachhaltigkeit ist bei uns kein Add-on, sondern eine Entscheidungsgrundlage.
Operativ heißt das:
- Klare Präferenz für Bestandsimmobilien statt Neubau
- Energieeffizienz als zentrales Ankaufskriterium
- Technische Optimierungen wie Wärmepumpen, Photovoltaik und smarte Steuerungssysteme
- Reduktion grauer Energie durch Re-Use-Konzepte
Im Design bedeutet das:
- Natürliche Materialien
- Langlebige Möblierung
- Regionale Lieferketten
- Zeitloses Design statt kurzlebiger Trends
Wir denken Nachhaltigkeit immer ökologisch und wirtschaftlich. Denn nur wirtschaftlich stabile Konzepte sind auch langfristig nachhaltig.
5. Wie macht ihr Nachhaltigkeit für Gäste erlebbar, ohne dass es wie Marketing wirkt?
Wir setzen auf Selbstverständlichkeit statt auf plakative Kommunikation.
Nachhaltigkeit wird bei uns sichtbar durch:
- Konkrete Maßnahmen statt Green Claims
- Transparente Informationen im Zimmer und in der Lobby
- Ein regional geprägtes, nachhaltiges Frühstücksangebot
- Architektur und Materialien, die sich ehrlich und hochwertig anfühlen
Der Gast soll Nachhaltigkeit erleben – nicht belehrt werden. Wenn sich ein Haus gut anfühlt, Materialien authentisch wirken und Prozesse durchdacht sind, entsteht Glaubwürdigkeit ganz automatisch.
6. Wie stellt ihr bei neuen Projekten sicher, dass die Markenkultur über verschiedene Märkte hinweg konsistent bleibt?
Wir arbeiten mit einem klar definierten Markenkompass, der auf drei Ebenen basiert:
- Design-DNA
- Servicekultur
- Nachhaltigkeitsprinzipien
Jeder Standort bekommt sein eigenes Storytelling, aber innerhalb klarer Leitplanken.
Wichtig sind dabei:
- Zentrale Steuerung von Konzept und Architektur
- Enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern
- Frühzeitige Integration der operativen Teams
- Schulung der Führungskräfte in unseren Markenwerten
So entsteht keine Kopie, sondern eine konsistente Weiterentwicklung der Marke – angepasst an den jeweiligen Markt.
7. Das diesjährige IHM-Motto lautet „Shaping Tomorrow: Where Innovation Meets Independent Spirit“. Wie spricht dich das an?
Das Motto beschreibt ziemlich genau, wie wir Cocoon verstehen.
„Innovation“ bedeutet für uns:
- Digitale Prozesse
- ESG-Optimierung
- Neue Hospitality-Modelle
- Effiziente Flächenkonzepte
„Independent Spirit“ heißt für uns:
- Unternehmerische Entscheidungen
- Schnelle Anpassungsfähigkeit
- Klare Markenidentität
- Mut zur Positionierung
Als inhabergeführte Boutique-Marke können wir Innovation schneller und konsequenter umsetzen als große Ketten – ohne unsere Identität zu verlieren.
Für mich bedeutet „Shaping Tomorrow“ vor allem, nachhaltige, wirtschaftlich tragfähige und kulturell relevante Hotelimmobilien zu entwickeln, die auch in 20 Jahren noch Bestand haben.
Bis bald auf der IHS in München.