Hotelier Edit: Malte Wiedemeyer, Hotel Ópera

Hotelier Edit: Malte Wiedemeyer, Hotel Ópera

Im Vorfeld der Independent Hotel Show Munich haben wir mit Malte Wiedemeyer gesprochen. Nach Stationen bei internationalen Hotelgruppen wie Marriott und Kempinski verantwortet der erfahrene Hotelier heute die drei unabhängigen Münchner Boutiquehotels Opéra, Splendid und Krone. Im Interview spricht er über prägende Wegbegleiter, seine Rückkehr in die Privathotellerie, die unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner Häuser und darüber, warum gute Führung bei den Mitarbeitenden ebenso ansetzt wie bei den Gästen.

Auf der IHM26 ist Malte Wiedemeyer Teil der Session „Klein, aber fein – warum Boutiquehotels oft die stärksten Konzepte haben“.

1. Du blickst auf eine langjährige Karriere in der internationalen Hotellerie zurück. Wie hat dich dein beruflicher Werdegang geprägt und welche Erfahrungen begleiten dich bis heute?

Ich durfte in verschiedenen Stationen und Positionen viele Erfahrungen sammeln. Dabei habe ich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen kennengelernt und mit unterschiedlichen Vorgesetzten zusammengearbeitet. Ich glaube, von jedem Menschen habe ich etwas mitgenommen und mir ein wenig abgeschaut. So habe ich mit der Zeit mein eigenes berufliches Ich entwickelt.

Ich habe sowohl die große als auch die kleine Hotellerie kennengelernt – also die internationalen Hotelketten ebenso wie die individuelle Hotellerie. Die Kombination aus beiden Welten prägt mich bis heute als Person und als Hotelier.

Gab es dabei Personen, die für dich besonders herausgestochen sind?

Auf jeden Fall. Im Marketing bei Marriott hatte ich eine Vorgesetzte, die damals mein Vorbild war und der ich beruflich auch mehrfach folgen durfte. Sie ist heute noch bei Marriott tätig. Gleichzeitig hatte ich großartige Direktoren, die mich mit ihrer individuellen Art und Persönlichkeit sehr geprägt haben.

Auch mein Lehrherr während meiner Ausbildung hat mich stark beeinflusst. Auf ihn kommen wir später noch einmal zurück, denn wahrscheinlich bin ich auch seinetwegen heute wieder in der unabhängigen Hotellerie tätig. Er war zwar kein besonders guter Chef, aber ein sehr guter Geschäftsmann und Hotelier. Das hat mich über die Jahre sehr geprägt. Solche Persönlichkeiten und die Erfahrungen mit ihnen bleiben einem im Gedächtnis.

2. Nach Stationen bei internationalen Hotelgruppen wie Marriott und Kempinski verantwortest du heute drei unabhängige Boutiquehotels in München. Was hat dich an der unabhängigen Hotellerie besonders gereizt?

Ich bin beruflich in dieser Art von Hotellerie groß geworden. Meine Ausbildung habe ich in einem kleinen, feinen Hotel in Norddeutschland absolviert – witzigerweise ebenfalls in einem Haus mit 25 Zimmern, genau wie das Hotel Opéra hier in München.

Dort bin ich mit der Liebe zum Detail aufgewachsen. Irgendwann habe ich gemerkt, wie sehr ich diese Details, die Flexibilität und die echte Dienstleistung schätze, die wir gerade in kleinen, unabhängigen Hotels bieten können. In meinem Büro steht der Satz: „Geht nicht, gibt’s nicht.“ Dieses Motto lässt sich hier sehr gut leben. Wir sind da, um Wünsche zu erfüllen und unseren Gästen eine schöne Zeit zu bereiten.

Als kleines und unabhängiges Hotel sind wir außerdem sehr wendig – wie eine kleine Motorjacht im Vergleich zu einem großen Luxusdampfer. Dieses Bild fällt mir immer ein, wenn ich den Unterschied beschreiben möchte.

Jemand hat einmal gesagt, das „GM“ in General Manager stehe für „Glücklichmacher“. Das mag im ersten Moment vielleicht etwas ungewöhnlich klingen. Ich möchte meine Zeit in der großen Hotellerie keinesfalls missen, aber ich hatte trotzdem immer den Wunsch, irgendwann wieder ein kleines, feines Hotel oder sogar mehrere Häuser leiten zu dürfen.

Irgendwann ist dieser Wunsch Wirklichkeit geworden. Mit unseren Eigentümern war es ein echtes „Gesucht und gefunden“. Wir haben eher zufällig zueinandergefunden, aber offenbar sollte es so sein. Auf diese Weise bin ich schließlich wieder in der unabhängigen Hotellerie gelandet.

3. Mit Hotel Opéra, Hotel Splendid und Hotel Krone führst du drei Häuser, die jeweils einen ganz eigenen Charakter haben. Kannst du uns die Besonderheiten der einzelnen Hotels vorstellen und erzählen, was jedes Haus einzigartig macht?

Ich bin für drei Häuser in München verantwortlich. Unser Grundgedanke in Bezug auf die Dienstleistung ist in allen drei Hotels gleich, wird aber jeweils an die entsprechende Zielgruppe angepasst. In jedem Haus möchten wir unseren Gästen ein persönliches Erlebnis vermitteln.

Das Hotel Opéra ist unser kleines Grand Hotel mit all seinen Dienstleistungen und gleichzeitig der Ursprung unserer Geschichte. Hier hat alles angefangen. Das Opéra ist unser Aushängeschild und hat dazu geführt, dass Menschen auf uns aufmerksam wurden und gesagt haben: „Ihr könnt wirklich noch Boutiquehotellerie.“ So sind wir letztlich auch zu den anderen Häusern gekommen.

Das Hotel Krone ist unsere Villa Kunterbunt. Es ist trendig, modern, kreativ und ein bisschen verrückt. Im Haus gibt es sogar noch einen klassischen Partykeller. Die Krone liegt im Westend und versprüht vielleicht einen kleinen Hauch von Berlin – auch wenn man das den Münchnern besser nicht erzählt. Sie ist einfach unser jüngeres und moderneres Haus.

Das Hotel Splendid im Lehel ist dagegen eine Art elegantes Bed & Breakfast. Kunst und Kultur spielen dort eine große Rolle. Bei uns wohnen viele Künstlerinnen und Künstler, Schauspielerinnen und Schauspieler sowie Musikerinnen und Musiker – und das war auch in der Vergangenheit bereits so. Das Haus befindet sich in bester Lage und ist gleichzeitig ein Rückzugsort: ein sehr ruhiger Platz für Menschen, die Ruhe suchen und sie dort auch finden.

4. Wie gelingt es dir, drei unabhängige Hotels mit unterschiedlichen Identitäten erfolgreich zu führen und gleichzeitig einen hohen Qualitätsanspruch in allen Häusern sicherzustellen?

Dafür sorgen vor allem unsere Mitarbeitenden. Die Qualität liegt nicht nur in meiner Verantwortung. Wir haben in unseren Häusern eine sehr gute Mischung aus Jung und Alt sowie aus viel und noch weniger Erfahrung.

Viele unserer Mitarbeitenden sind schon lange bei uns. Es gibt außerdem immer wieder Menschen, die nach einer Zeit zu uns zurückkehren. Sie möchten zunächst etwas anderes ausprobieren und stellen dann fest, dass das Gras woanders auch nicht unbedingt grüner ist.

Bei der Auswahl achte ich vor allem darauf, dass die Menschen das Herz am richtigen Fleck haben und Leidenschaft für ihre Tätigkeit mitbringen. Ich selbst gebe Richtlinien und eine Vision vor und versuche, diese vorzuleben. Die wirkliche Qualität setzen jedoch unsere Mitarbeitenden jeden Tag mit Leib und Seele um.

5. Wenn du einem unabhängigen Hotel heute nur einen einzigen Rat geben könntest, welcher wäre das?

Mit dieser Frage habe ich mir schwergetan, weil mir gleich mehrere Dinge eingefallen sind. Ein wichtiger Rat wäre, bei allem, was man tut, Vorbild zu sein und zu bleiben. Bei Marriott haben wir früher gesagt: „Walk the Talk.“ Das bedeutet, dass ich das, was ich sage, auch wirklich selbst verkörpern muss.

Dazu gehört für mich auch, authentisch zu bleiben, obwohl dieses Wort heute vielleicht etwas zu häufig verwendet wird. Darüber hinaus habe ich mir aufgeschrieben: für Mitarbeitende und Gäste da sein und auf beide gut aufpassen.

Über viele Jahre hieß es, der Gast sei König. Aber die Mitarbeitenden kommen dem heutzutage schon sehr nahe. Deshalb sage ich immer: Ich bin für beide Seiten da. Man sollte sich um Gäste und Mitarbeitende kümmern, auf beide achten und immer ein offenes Ohr haben. Schließlich kann man auch von beiden Seiten sehr viel lernen.

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