Katrin Schönig, The Circus Hotel: Wie ein unabhängiges Berliner Hotel Gemeinschaft zu einem Wettbewerbsvorteil macht

Katrin Schönig, The Circus Hotel: Wie ein unabhängiges Berliner Hotel Gemeinschaft zu einem Wettbewerbsvorteil macht

Von seinen Anfängen als Hostel bis hin zu einem designorientierten Boutiquehotel hat sich das Circus Hotel in Berlin einen Ruf für etwas aufgebaut, das viele Marken nur schwer nachahmen können: Persönlichkeit. In einem exklusiven Interview für die Independent Hotel Show Munich erklärt Katrin Schönig, wie Geschichte, Storytelling und die Kreativität des Teams ein besonderes Hospitality-Erlebnis formen.

In einer Hotellandschaft, die zunehmend von Markenstandards und globaler Expansion geprägt ist, bietet das Circus Hotel in Berlin ein anderes Modell. Unabhängig und gemeinschaftsorientiert ist das Hotel über drei Jahrzehnte organisch gewachsen und dabei seiner ursprünglichen Philosophie treu geblieben: Reisende näher an die Stadt heranzubringen, die sie besuchen.

Am Rosenthaler Platz im Berliner Bezirk Mitte gelegen, befindet sich das Circus Hotel neben zwei Schwesterbetrieben, einem Hostel und Serviced Apartments. Zusammen bilden sie ein ungewöhnliches Hospitality-Ökosystem, das auf derselben Gründungsidee basiert.

„Wir haben in den 1990er Jahren als Hostelorganisation angefangen“, erklärt Katrin. „Die Besitzer sind immer noch dieselben fünf Freund*innen, die das Ganze gegründet haben. Irgendwann merkten sie, dass sie selbst nicht mehr in Schlafsälen übernachten wollten, und so wurde der nächste natürliche Schritt das Hotel.“

Diese Entwicklung wurde nicht von Expansionsplänen oder einer Markenstrategie getrieben. Stattdessen spiegelt sie wider, wie Menschen reisen, wenn sie verschiedene Lebensphasen durchlaufen. Das Ergebnis ist ein Hospitality-Konzept, das gemeinsam mit seinen Gästen wächst.

„Es ist immer noch sehr stark ein Familienunternehmen“, sagen sie. „Reisen als Erlebnis, als Möglichkeit, die Welt zu entdecken, stand immer im Mittelpunkt dessen, was wir tun.“

Mit Geschichte gestalten, nicht um sie herum

In Berlin ist die Vergangenheit nie weit entfernt. Als das Team das Gebäude aus dem 19. Jahrhundert übernahm, in dem sich heute das Circus Hotel befindet, begann es zunächst mit der Recherche zur Geschichte des Hauses. Dabei stellte sich heraus, dass es früher zu einem Schneiderbetrieb gehörte, der von einer jüdischen Familie geführt wurde. Der Großteil der Familie wurde während des Zweiten Weltkriegs ermordet, nur wenige überlebende Angehörige ließen sich später in den Vereinigten Staaten nieder.

Anstatt diese Geschichte unausgesprochen zu lassen, entschied sich das Hotel, sie sichtbar zu machen. In Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde Berlins kontaktierte das Team überlebende Familienmitglieder und integrierte Elemente dieser Geschichte in das Gebäude.

Heute befindet sich eine Gedenktafel vor dem Hotel, während ein kleiner Ausstellungsraum im Keller die Vergangenheit des Hauses dokumentiert.

„Berlin ist eine Stadt, die auf Geschichte aufgebaut ist“, erklären sie. „Du kannst sie nicht ignorieren. Aber du darfst dich auch nicht von ihr zurückhalten lassen. Du musst sie anerkennen und dann weitergehen.“

Dieser vielschichtige Ansatz des Storytellings zieht sich durch das gesamte Design des Hotels und das Erlebnis für Gäste.

Ein Boutiquehotel, das nie stillsteht

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2008 versteht das Circus Hotel Veränderung als Teil seiner Identität. Designanpassungen finden regelmäßig statt, teilweise auf Basis von Gästefeedback.

Dieses Feedback ist oft der Auslöser, meist aus dem Wunsch heraus, das Haus frisch und lebendig zu halten.

„Alle paar Jahre sagt eine der Besitzer*innen, es sieht langsam ein bisschen alt aus“, lacht Katrin. „Und dann beginnt die nächste Renovierung.“

Die bedeutendste Renovierung fand während der Pandemie statt, als die vorübergehende Schließung des Hotels eine unerwartete Gelegenheit schuf.

„Eigentlich hatten wir die Renovierung für später geplant“, erklären sie. „Aber als Covid kam und wir ohnehin schließen mussten, haben wir uns gefragt, ob wir es nicht früher umsetzen können. Also haben wir gleichzeitig geplant und renoviert.“

Das neue Design entfernte sich von früheren Konzepten, die von der Schneidertradition inspiriert waren, und setzte stattdessen auf eine weichere „Urban Jungle“-Ästhetik. Ziel war es, Elemente der urbanen Energie Berlins ins Innere zu holen und gleichzeitig ruhige Räume zu schaffen, in denen du dich entspannen kannst.

„Unser Ziel war es, einen Rückzugsort zu schaffen“, erklären sie. „Du bist mitten in der Stadt, aber das Hotel soll sich trotzdem wie ein Ort anfühlen, an dem du kurz durchatmen kannst.“

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